Gewaltfreie Kommunikation – Nach Marshall B. Rosenberg

Worte können uns zum Teil stärker und nachhaltiger verletzen, als es körperliche Gewalt vermag. Sätze brennen sich ein und begleiten und durchs Leben. So hat die Art wie wir miteinander kommunizieren sehr viel mit unserer Lebensqualität zu tun. Und genau diese kann durch die Gewaltfreie Kommunikation grundlegend verbessert werden.
Durch Gewaltfreie Kommunikation (GFK) können Konflikte und Probleme im privaten oder beruflichen Bereich auf eine für alle daran beteiligten Parteien vertrauensbildenden und liebevollen Art und Weise angesprochen und geklärt werden. GFK beinhaltet aber nicht nur dass von Marshall B. Rosenberg entwickelte Handlungskonzept, wie Gespräche geführt werden können – und sollten. Es ist vielmehr eine Einstellung zum Leben.
Mit Hilfe von GFK können wir lernen, mehr Mitgefühl für unser Gegenüber und auch für uns selbst zu entwickeln.
Diese Sichtweise ermöglicht einen neuen Umgang miteinander. Egal ob in Beziehungen oder im Beruf. Mit Hilfe der GFK können wir lernen, mehr Mitgefühl für unser Gegenüber und auch für uns selbst zu entwickeln, und uns so schneller dem Reiz-Reaktionsschema eines aufgeheizten Gespräches entziehen. Dadurch lässt sich grundlegend auf den Ausgang des Selben einwirken. Mit der GFK als Grundlage können Gespräche prozess- und lösungsorientiert geführt werden.

1. Objektive Situationsbeschreibung

Die Situation wird ohne Wertung und objektiv beschrieben. Das heißt es werden vor allem Wörter wie „immer“, „schon wieder“, „nie“, „alle“ oder „keiner“ weggelassen.
Ein Beispiel: Ordnung
In der Wohnung liegt die Kleidung Ihres Partners verstreut umher als Sie nach Hause kommen:
Alte Sprachweise: „Dauernd lässt du deine Klamotten überall rumfliegen und ich muss sie immer wegräumen. Ständig muss ich hier alles alleine machen und du hilfst nie.“
Das war ein Beispiel für den besten Zündstoff eines ausgemachten Streites, der so weder für Sie noch für Ihren Partner ein Ergebnis bringt. Ihr Partner wird persönlich angegriffen und als Reaktion vermutlich in die Verteidigung gehen. Eine objektive Betrachtung hätte hier das Thema genauso zur Sprache bringen können, nur ohne Verurteilung und Verletzung des Partners, der Ihnen hier sicherlich nicht vorschwebte.
Gewaltfreie Kommunikation: „Wenn ich mich hier umsehe, liegt hier Kleidung von dir verstreut herum.

2. Gefühle

Im nächsten Schritt erläutern Sie ihrem Partner wie Sie sich fühlen. Bleiben wir bei dem obigen Beispiel. Der Satz in der alten Sprachweise hat ja jegliche negativen Gefühle bereits ausgedrückt. Vielleicht folgt noch etwas wie: „ Es nervt mich und ich hasse es wenn du hier immer alles rumfliegen lässt.“
Es sollen nun aber Ihre Gefühle Ausdruck finden. Also zum Beispiel Trauer, Enttäuschen, Wut etc. Alles was auch mit „Ich bin…“ beginnen könnte ist im eigentlichen Sinne ein Gefühl.
So können Sie zum Beispiel sagen: „Ich bin wütend, weil mir ein ordentliches Zuhause wichtig ist.“

3. Bedürfnis

In dem obigen Beispielsatz ist das Bedürfnis schon eingeflossen. In der Praxis sind die vier hier genannten Punkte nicht so genau zu trennen. Einer geht leicht in den anderen über. Es ist aber wichtig, sie für sich als eigenständigen Punkt zu betrachten und sich darüber klar zu werden, was dazu die eigene Auffassung oder hier eben das Bedürfnis ist. Sich selbst seinen Bedürfnissen klar sein, ist ein grundlegender Gedanke in der Gewaltfreien Kommunikation.

4. Bitte

Nachdem Sie nun die Situation objektiv beschrieben haben und sowohl Ihre Gefühle als auch Ihr Bedürfnis geäußert haben, ist es nun an der Zeit, in die Zukunft zu blicken und daraus eine Bitte abzuleiten. In unserem Beispiel könnten Sie zum etwa sagen: „ Bitte hilf mir zu verstehen, wieso es hier so unordentlich ist.“ Sie könnten aber auch sagen: „Ich wünsche mir, dass deine Kleidung nicht in der Wohnung herumliegt wenn ich nach Hause komme.“

Wenn beide Partner eines Gespräches oder einer Beziehung die Gewaltfreie Kommunikation als Grundhaltung haben, wird es wahrscheinlich den Verlauf des Gesprächs positiv beeinflussen. Aber auch wenn nur einer der Beteiligten darauf zugreift, kann es schon zu einer deutlichen Verbesserung der Gesprächsqualität führen. Auch wenn die gewaltfreie Kommunikation nicht garantiert, dass Sie immer einen Kompromiss oder ein Ergebnis finden werden, so ist sie doch ein sehr gutes Mittel, um einen positiven Prozess und einen respektvollen und empathischen Umgang miteinander zu ermöglichen auf dem eine gesunde Beziehung Fuß fassen kann.